Blechschaden "Up Frack Prämie"
Die Gruppe Blechschaden hat unbestritten Kultstatus. So ungewöhnlich der
Name, so ungewöhnlich ist auch das Programm. Und das Publikum ist süchtig
danach und das obwohl Blechschaden so überhaupt nicht in ein klassisches
Marketingkonzept passt: Weder jung noch übermäßig adonisch haben die Herren
Musiker schon zwei Mal den begehrten Deutschen Schallplattenpreis Echo
Klassik in der Kategorie Crossover-Künstler des Jahres erhalten.
Begonnen hatte alles
mit einem einzigen Schrei im Jahre 1954 in Schottland: Bob Ross erblickte
das karge Licht seiner sparsamen Heimat. 38 Jahre später stand der
Klassik-Entertainer, bei dem seiner Meinung nach selbst bei der Körpergröße
von 158 cm noch gespart wurde, mit seinem Ensemble Blechschaden in Taipeh
vor 50.000 schreienden und applaudierenden Musikfans. Bob Ross bekam den
Dirigier- und Kompositionspreis an der Königlichen Hochschule für Musik in
Glasgow, er war Hornist an den Staatstheatern von Wiesbaden und Essen, war
bei den Bayreuther Festspielen engagiert, bis er schließlich zu den Münchner
Philharmonikern kam. Fasziniert, inspiriert und animiert von der
musikalischen und gesellschaftlichen Tradition der schottischen Brass-Bands,
fand er unter seinen Philharmoniker-Kollegen elf Gleichgesinnte für diese
ungewöhnliche Musik. „Und weil ich die Noten gekauft hatte, durfte ich auch
dirigieren", spöttelt Ross mit beinahe britischem Understatement.
Das endgültige Konzept der originellen und humorvollen Konzerte entstand
1989 eher zufällig. Für einen spontanen einstündigen Liveauftritt während
der IFA-Berlin hatte das Ensemble zu wenig Repertoire einstudiert. Ross
rettete sich damit, dass er mit Anekdoten und Witzen die Zeit überbrückte.
Heute verfügt Bob Ross über ein breit gefächertes Repertoire an Witzen und
besonders an Schottenwitzen. Darüber hinaus liefert der quirlige Ross auch
die nötigen Show-Elemente, um ein Publikum nicht nur musikalisch zu
begeistern, sondern auch hervorragend zu unterhalten. Herhalten müssen auch
die Münchner Philharmoniker, bei denen die Mitglieder von Blechschaden ihr
tägliches Brot verdienen. Selbst „Celigadaffi“, alias Sergiu Celibidache,
musste über Bob le Klein und den aus seiner Sicht erzählten Kampf zwischen
David und Goliath, zwischen Musiker und Dirigent, lachen. Darin liegt wohl
auch ein wesentlicher Grund für den immensen Publikumserfolg von Ross und
Blechschaden.
Kaum ein Konzert von Blechschaden, das nicht ausverkauft wäre,
Konzertankündigungen haben in der Regel einen Ansturm auf Karten zur Folge.
Welche Klassikkünstler schaffen es schon, bis zu sechs Mal pro Jahr den
mehr als 2.400 Plätze umfassenden Münchner Gasteig inklusive Notbestuhlung
auf der Bühne rappelvoll zu füllen - und das mit einem Publikum, das
gewöhnlich nicht bei traditionellen Symphoniekonzerten der Philharmoniker
anzutreffen ist.
Musikalisches Können vereinigt sich hier mit Spaß am Spiel - und das
Vergnügen der Musiker überträgt sich. Virtuosen sind sie, die zu jeder
Schandtat bereit sind und Kabinettstückchen wie nebenbei abliefern. Mit
faszinierender Leichtigkeit, mit Witz und Humor nehmen sie es mit den
schwierigsten Koloraturstücken der Musikliteratur auf. Bei den Konzerten
wird jeder der Musiker von Bob Ross außerdem dem Publikum zuweilen auf
witzig-ironische Weise vorgestellt.
Mit ungeheurer Verve beackert Blechschaden, die ihren Domainnamen von einem
Schrotthändler für teures Geld abkauften, ihr musikalisches Feld. Nichts ist
ihnen heilig. Was die Musiker in Angriff nehmen, bewältigen sie mit
unnachahmlicher Perfektion.
Jazz und Klassik, Elitäres und Populäres, Show und Spielkultur befruchten
sich gegenseitig aufs Beste. Blechschaden – das ist eine Mischung aus Last
Night of the Proms und Wiener Neujahrskonzert.
Trotz der Liebe zu Bayern - richtig zu Hause fühlt sich Blechschaden
weltweit. In Europa, Asien oder Amerika, Blechschaden begeistern ihr
Publikum. Der irische Schriftsteller und Nobelpreisträger George Bernhard
Shaw meinte einmal boshaft: „Das Schädliche an den Blechinstrumenten liegt
in der Tatsache, dass sie die Lungen stärken und damit das Leben der Musiker
verlängern.“ Möge das der Quell der Hoffnung sein, auch noch in ferner
Zukunft viele neue, „verrückte“ Arrangements und Programme von Blechschaden
zu erleben.
Auch mit dem neuen Album „Up Frack Prämie“ verfolgen Blechschaden wieder
konsequent ihr gekonnt anarchistisches Musik-Konzept. Respektlos, virtuos
und mit einem wunderbaren Hauch Ironie versehen, bietet „Up Frack Prämie“
alles, was das Publikum von Blechschaden erwartet und vielleicht noch ein
bisschen mehr. Hier eine kurze Aufstellung der Titel und die Hintergründe
für die Auswahl der Stücke und Songs sowie zur Produktion.
„Take Mission“ „Take Five“ ist das bekannteste Stück des
Dave-Brubeck-Quartetts, geschrieben 1959 von Paul Desmond und am 1. Juli
1959 für das Album „Time Out“ aufgenommen. Auch für Menschen, die sich sonst
kaum für Jazz interessieren, ist das Stück ein Begriff. Der Begriff to take
five wird umgangssprachlich verwendet für „eine kurze - 5 Minuten - Pause
machen“. Der Titel „Take Five“ bezieht sich auf den 5/4-Takt, in dem das
Stück steht. Eine weitere Konnotation des Titels besteht in der
umgangssprachlichen Bezeichnung einer Aufnahme als „Take“. „Take Five“ wäre
demnach der fünfte Versuch, das Stück aufzunehmen. Das Stück erschien wie
gesagt im August 1959 auf der LP „Time Out“ und schaffte es damals sogar in
die Charts. Paul Desmond verstarb 1977, die Rechte an „Take Five“ und sein
gesamtes Hab und Gut hinterließ er dem amerikanischen Roten Kreuz. „Take
Five“ ist das populärste Stück das jemals im 5/4 Takt geschrieben wurde.
Ebenfalls im 5/4 Takt ist die bekannte Titelmelodie der US-TV Serie und des
Kino Films „Mission Impossible“. In Deutschland bekannt aus der TV-Serie
„Kobra, übernehmen Sie“. „Mission Impossible III“ wurde 2006 neu verfilmt
und ein riesiger Erfolg für den amerikanischen Schauspieler Tom Cruise. In
dem Film ist Tom Cruise als Ethan Hunt zu sehen. Der Komponist Lalo Schifrin
hat 1968 für diesen super Titel einen Grammy bekommen. Blechschaden hat
diese beiden berühmten 5/4 Takt-Titel zu einem Song verschmolzen. Der
Arrangeur Harald Kullmann hat mit „Take Mission“ diese Idee großartig in die
Tat umgesetzt.
„Pachelbel Kanonlandler“ Der Kanon und die Gigue in D-Dur sind die
populärste Stücke des Nürnberger Barockkomponisten Johann Pachelbel
(1653–1706). Vielfach wird Pachelbel über dieses Werk identifiziert. Das
Stück ist ursprünglich im 4/4 Takt komponiert und der Arrangeur Bernhard
Etzel hat die Motive für Blechschaden umarrangiert und zu einem Landler im ¾
Takt bearbeitet.
„Tuxedo Junction“ Der Titel handelt von einem Jazz und Blues Club in dem
Vorort Ensley bei Birmingham, Alabama USA. Obwohl dieses Gebäude den Namen
„Nixon Building“ (erbaut 1922) trägt, heißt die Gegend „Tuxedo Junction“.
Die bekanntest Aufnahme wurde von „The Glenn Miller Orchestra“ eingespielt
und wurde 1939 die Nr. 1 als meist verkaufte Schallplatte.
„Zwiefacher“ zeigt die Bayerischen Wurzeln des Ensembles, toll arrangiert
von dem ehemaligen Solo-Flötisten der Münchner Philharmoniker, Max Hecker
„We will rock you“ ist ein Jukebox-Musical von Ben Elton und der britischen
Rockgruppe Queen. Der gleichnamige Titel, Komponist Brian May, wurde von der
Gruppe Queen mit Leadsänger Freddie Mercury aufgenommen. Die
Musikzeitschrift „Rolling Stone“ platzierte diesen Song auf Nr. 330 der 500
besten Songs in 2004 und die RIAA gab den Titel die Nr. 146 (von 365 Titeln)
in der Liste „Songs des Jahrhunderts“.„We are the champions“ hört man in
jedem Fußball Stadion der Welt!
„Annie Laurie“ Komponist Arthur Pryor (1870 – 1942) war Posaunen Solist in
der John Philip Sousa Band. Viele historische Aufnahmen zeigen heute noch
seine virtuose Kunst. Der Solo-Posaunist der Münchner Philharmoniker, Dany
Bonvin zeigt hier seine Virtuosität mit seinem eigenem Blechschaden
Arrangement.
„Tango für Elise“ Für Elise ist eine Komposition von Ludwig van Beethoven
aus dem Jahre 1810. Es handelt sich um ein Klavierstück in a-Moll.
Sicherlich hat jeder, der sich mit dem Klavier beschäftig hat dieses Stück
mal angespielt. Blechschaden hat ein Spezial Arrangement von J.R. Welch
schreiben lassen und macht daraus einen feurigen Tango!
„Posaunisten Träume“ ist eine Eigenkomposition von Trompeter Franz
Unterrainer. Ein „schmissiges“ Stück für drei Solisten an der Posaune.
„Ich gehör nur mir“ ist eines der bekanntesten Titel aus dem Musical
„Elisabeth“ von Michael Kunze (Libretto) und Sylvester Levay (Musik). Es
wurde am 3. September 1992 im Theater an der Wien uraufgeführt. Es erzählt
die Lebensgeschichte der österreichischen Kaiserin Elisabeth als Totentanz.
Sängerin Kathrin Unterrainer, die Tochter vom Trompeter Franz Unterrainer,
feiert große Erfolge bei Live-Auftritten mit Blechschaden.
„Caribbean Nights“ Eine Komposition von Arnold F. Riedhammer, als Drum-Solo
konzipiert. Urlaubsträume in der Karibik, Latin-Feeling und im Konzert eine
dankbare Pause für die Bläser.
„Alphorn Dialog“ Das Alphorn gehört aufgrund seiner Anblastechnik
instrumentenkundlich zu den Aerophonen (wie alle Blechblasinstrumente) und
wird traditionell überwiegend aus Holz gefertigt. David Moltz und Matthias
Fischer spielen die neuesten Instrumente aus Carbon! Es besitzt weder
Klappen, Züge noch Ventile und ist daher bezüglich der zu spielenden Töne
auf die Naturtonreihe beschränkt. Ein Alphorn kann man, je nach Landschaft,
5 bis 10 km weit hören. Bernhard Etzel hat diesen Titel für beide Solisten
komponiert und arrangiert.
„Your Song“ ist einer der schönsten Titel, die Sir Elton John (1970)
komponiert hat. Den Text schrieb sein Freund Bernie Taupin. Der Euphonium
Solist Matthias Fischer kann mit seinem „Jazz-Feeling“ in dem Arrangement
von Dieter Wendel richtig los legen.
„La Cucaracha“ (die Küchenschabe) heißt bei Blechschaden-Konzerten „Die
Kakerlake“. Eingangs ein trauriges Lied, das nach dem Intro durch den Bass
Posaunist Benjamin Appel an Fahrt aufnimmt und bei dem der südamerikanische
Vollblutmusiker sein heißblütiges Temperament ausleben kann.
„MacArthur Park“ wurde von Jimmy Webb komponiert und nach dem MacArthur
Park in Los Angeles benannt, in dem er sich hier wiederholt mit seiner
Freundin traf. Die Disco Queen Donna Summer verkaufte Millionen Singles von
ihrer Version und schaffte es mit diesem Titel, die Nr. 1 der Billboard Hot
100 zu werden. „MacArthur Park“ hat 1969 einen Grammy Award für das beste
Arrangement erhalten. Zahlreiche Künstler haben diesen Titel aufgenommen:
Zum Beispiel Richard Harris, Frank Sinatra, Tony Bennett, Andy William,
Diana Ross & the Supremes, Stan Kenton, Liza Minnelli; Gitte Hænning und
viele mehr… Adrian Drover schrieb dieses hervorragende Arrangement.
„Ye Banks and Braes“ ist ein Traditional. Eine Überlieferung sagt, die
Melodie wurde 1788 von einem Charles Miller komponiert und Robert Burns
schrieb den Text. 1792 erschien dieser Song im „Scots Musical Museum“. Ein
Liebeslied über ein trauriges junges schottisches Mädchen, das vom Freund
verlassen wird und am Fluss Doon in Ayrshire spazieren geht. Guido Segers,
seines Zeichens Solo-Trompeter der Münchner Philharmoniker, ist mit seinem
wunderschönem Trompeten Ton der Solist des Liedes.