Ludwig Hirsch 1946 – 2011
‚Die
Platte ‚Dunkelgraue Lieder‘ war damals eine Reaktion auf Wien. Ich kam
aus Deutschland zurück, wo ich am Theater eine lustige und aufregende
Zeit erlebt hatte und dann war ich im Theater an der Josefstadt, wo ich
mich überhaupt nicht wohl gefühlt hab. Da wollt ich reagieren und hab
mir gedacht, ich muss noch dunkler und böser sein, als die Stadt auf
mich wirkt. Was mir aber immer wichtig war, auch wenn die Geschichte
noch so dunkel und finster war, ein Hauch von Skurrilität und Witz‘
– Ludwig Hirsch im Oktober 2011.

So
grau die Stadt auch damals war, so dunkelgrau die ersten Lieder des
Ludwig Hirsch, die er 1977 seinem späteren Manager Karl
Scheibmaier in die Hand drückte auch wirken mochten, der Mensch
selbst, er war viel weniger grau, viel mehr eine behutsam herausragende
Erscheinung in der österreichischen Kulturlandschaft. Ludwig Hirsch
der Geschichtenerfinder, der Geschichtenerzähler der durch seine Stimme
diesen Geschichten auf besondere Art Leben einhauchen konnte. Hirsch der
Mensch, unprätentiös, menschlich, nie abgehoben. Ein Denker, still
wirkend, hoch kreativ mit sich und seinem Tun beschäftigt.
Seine musikalische Karriere begann 1978 und hob mit den ‚Dunkelgrauen
Liedern‘ aus dem Stand ab. In den darauffolgenden 33 Jahren war
er geliebter, beliebter, geachteter und von Publikum und Kollegen
gleichermaßen geschätzter Teil der österreichischen Musikszene.
Der geborene Steirer zog als Kind nach Wien. Er wuchs im 2. Wiener
Gemeindebezirk auf. Leopoldstadt. Ein Viertel Wien unplugged. Prater,
Karmelitermarkt, Augarten, Mazzesinsel... Der Zweite in den 60ern - das
hieß von Schwarz rüber bis Weiss, dazwischen sämtliche
Grau-Schattierungen. Ein Biotop für Geschichten aber es wäre falsch den
Autor Ludwig Hirsch auf seine morbiden, melancholischen
Textschöpfungen zu reduzieren. ‚Erinnern wir uns an die Liebe’
und ‚Gel‘, du magst mi‘ (1983) mit dem ‚picksüssen Elvis‘,
an die ‚Landluft‘ (1986) samt ‚Alles paletti‘,
an ‚Bis zum Himmel hoch‘ (1982), ‚Sternderl schaun‘
(1991) oder seine Interpretation des ‚Hobelliedes‘.
Fünf Jahre ist es nun bereits her, da stellte er mit ‚In Ewigkeit
Damen‘ sein bisher letztes Musik-Studioalbum vor. ‚In
Ewigkeit Damen heißt für mich, den Hut zu ziehen, eine kleine
Verbeugung. Es war einfach an der Zeit’, erzählte er damals. Wie?
Die 14. CD eine Liebeslebensbilanz des Ludwig Hirsch? ‚Aber nein’,
er winkte ab. ‚Es sind Geschichten. Alles erfunden, so wie jedes
meiner Lieder eine Geschichte ist. Ich schaffe es irgendwie in fremde
Umgebungen, Situationen zu schlüpfen und daraus wachsen dann Geschichten
aus denen Lieder werden’.
Mit ‚Ludwig Hirsch liest Ludwig Hirsch‘ hinterlässt er uns
seine Geschichten und seine Stimme in unverpackter Form. Es fehlt die
Musik. Er liest seine Texte. In Wirklich ist es jedoch mehr als lesen,
mehr als Vortrag. Es ist die literarische Essenz. Auf gewisse Weise
doppelt gebrannt und schon mit den Geschichten des ‚Till
Eulenspiegel‘ (2010) ließ sich erkennen, dass er dem Format
Hörbuch durch seine Stimme, die Art wie er die Texte vorbrachte, eine
nicht beschreibbare, auf ihre Art magische Komponente hinzufügte, welche
die Geschichten für die ZuhörerInnen lebendig werden ließen.
Ludwig Hirsch
war Wien. So sehr Wien wie wenige andere Künstler die in dieser Stadt
kreativ tätig sind. An einem nebelverhangenen, kalten, dunkelgrauen
Spätherbsttag hat er sich von uns verabschiedet. Er tat es auf seine
Art. Es wird ihm wohl klar gewesen sein, dass eine reißerische
Darstellung dieses Abschieds in den Medien die logische Konsequenz sein
wird.
Dem wollen wir nichts mehr hinzufügen. Vielmehr verbeugen wir uns vor
einem großen Künstler und Menschen und sagen zum Abschied leise ‚Danke,
Ludwig‘.
Das Team der Universal
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