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ROGER CICERO
"In diesem Moment Tour 2012"
11.04.2012 Linz
12.04.2012 Graz
13.04.2012 Wien
Es war einfach Zeit für eine Zäsur. Mal ein paar Träume erfüllen, eine
abendfüllende Show auf dem legendären Montreux Jazz Festival spielen etwa, oder
ein gemeinsames Konzert mit Jools Holland in London. Gelegenheiten nutzen, um
Ausflüge in Moderation und Film zu wagen, ein Buch zu schreiben. Zeit, um zurück
zu schauen. Und dann voraus. „Der Erfolg kam zwar nicht schnell, wenn man meinen
Lebensweg betrachtet”, sagt Roger Cicero mit Blick auf seine
bisherige Karriere, “aber dafür ziemlich plötzlich. Und auch ziemlich massiv:
Ich hatte drei Jahre lang weder Zeit noch Kopf, irgendetwas zu verarbeiten.“
2006 war der Erstling Männersachen erschienen, bis 2009 folgten
zwei weitere hochdekorierte Alben, über 300 Konzerte und ungezählte Termine.
“Ich musste das alles für mich erstmal einordnen. Der Erfolg brachte
Sicherheiten, die es in meinem Leben zuvor nicht gegeben hatte und die ich
jetzt, als Familienvater, nicht mehr missen möchte. Im Gegenzug steigerte er die
Erwartungen an mich und meine Musik – nicht zuletzt meine eigenen. Aber die
wichtigste Erkenntnis war: Erfolg macht es möglich, Dinge zu tun, von denen ich
vor Männersachen nur träumen konnte - nämlich kompromisslos meine musikalischen
Ideen zu verwirklichen.“ Aus dieser Diagnose folgte zwangsläufig das weitere
Aufbrechen des mittlerweile zu eng gewordenen Swing-Korsetts, und zwar Stück für
Stück eingeleitet bereits auf dem letzten Album Artgerecht.
Auch wenn Roger Cicero diesem Stil und Style viel zu verdanken
hat: Der elegante Sound der 50er bot nur Spielfläche für einen kleinen Teil
seiner stimmlichen Möglichkeiten. Und die dazugehörige Attitüde lenkte den Fokus
weg von jener Person, die mit 41 Jahren bereits ein an Erfahrungen und auch
Entbehrungen reiches Musikerleben hinter sich hat, das mit einer Babysitterin
namens Josephine Baker schon unter eindeutigen Vorzeichen begann. Alles auf null
also. Neue Energien freisetzen, in völlig neuen Konstellationen denken und
arbeiten.
“Anfangs gab es diese amüsanten Situationen, die eigentlich immer entstehen,
wenn neue Musiker sich zusammen finden: Viele Leute sitzen an einem Tisch, reden
über Musik und sind sich völlig einig – bis bei der ersten Aufnahme klar wird,
dass jeder etwas ganz anderes im Kopf hatte”. Roger Cicero muss
lachen. “Aber genau das war gewollt: Man musste sich gegenseitig völlig neu
nähern.” Das tat er ausgiebig. Über ein Jahr schrieb und komponierte er, unter
anderem mit dem Kölner Tinseltown-Kollektiv, aber auch mit Kollegen wie Rea
Garvey oder Musikern von Jamiroquai, Juli und Stanfour. Für die Produktion zog
Roger Cicero mit Kiko Masbaum sowie dem für drei Titel
verantwortlichen Roland Spremberg ebenfalls neue Namen hinzu, deren
detailverliebte Arbeitsweise perfekt mit der eigenen harmonierte.
Gemeinsam feilten sie in den Studios am Kölner Maarweg an den Aufnahmen,
justierten viele Stellschrauben und holten den Sound aus den 50ern ins Hier und
Jetzt. Zweieinhalb Jahre nach Artgerecht legt Roger
Cicero nun Album Nummer vier vor. Mit großer Vorfreude, aber auch mit
erhöhtem Pulsschlag - und vielleicht ein klein wenig feuchten Händen: “Es gab
keine Referenzen für unsere Arbeit, keine vorgetretenen Pfade, nichts, anhand
dessen ich mir hätte ausmalen können, wie das Ergebnis wohl werden würde. Ich
hatte schlicht keine andere Wahl, als mich immer wieder auf den Moment
einzulassen. Und aus diesen ‚Momenten’ heraus ist das Album entstanden.
Das neue Album
Mehr als nur ein Song auf In diesem Moment hätte es verdient,
das Album zu betiteln. So viel Roger Cicero war noch nie - nicht in den
Kompositionen, vor allem nicht in den Texten. Das druckvolle Für nichts auf
dieser Welt gibt ein Motiv vor, das sich durch das gesamte Album zieht,
genauso wie durch Roger Ciceros Vita: Der eigene Weg, der
gegangen werden will, trotz aller Hindernisse. Und ohne verführerische
Abkürzungen - jenen “superbunten Zuckerguss”, mit dem Crashkurs-Makler ihre
potentiellen Jünger locken.
Nicht für mich, bescheidet Roger Cicero mit dem
gleichnamigen Song: “Ob nun zuckende Sixpacks in der Werbung für Bauchweg-
Gürtel, das leidige Thema Castingshows oder irgendwelche Wochenend- Seminare,
die eine grundlegende Lebensänderung in 48 Stunden versprechen - wer glaubt im
Ernst daran? Man muss es selber angehen, es gibt nichts, das eigene Erfahrungen
ersetzt.”
Keine halben Sachen eben - noch so eine potentielle Überschrift, die
auf das gesamte Album gemünzt sein könnte. Die dazugehörige pumpende Funk-Nummer
widmet sich jedoch vielmehr jener unendlich langen Liste guter Vorsätze, die im
Normalfall nicht einmal den Neujahrskater überstehen. So gereift und
nachdenklich er sich in den Texten auch zeigt, Roger Cicero
verliert nie seine lakonische, direkte Sprache. Bisweilen ergänzt um seinen
trockenen, selbstironischen Blick, etwa wenn er in den zwischen Twenties und
modernem Beat changierenden Opener Alles kommt zurück beiläufig das
Comeback von Hüten und Swing-Musik einflicht. Oder im wunderbaren Zu zweit
mit Jools Holland am Piano, einem whiskey-schwangeren, von extrem abgehangenem
Bar-Jazz untermalten Dialog mit der personifizierten Einsamkeit. Trotz allen
Augenzwinkerns auch dies ein sehr persönlicher Song: “Das Thema ‘Einsamkeit’ hat
mich tatsächlich lange verfolgt. Eigentlich von Beginn an, als Kind eines
Vaters, der ständig unterwegs war. Glücklicherweise habe ich gelernt, damit
umzugehen, bevor der Erfolg kam. Das sprichwörtliche ‘einsame Hotelzimmer’ hat
also viel von seinem Schrecken verloren. Mittlerweile reiche ich, in all dem
Trubel, der Einsamkeit sogar ganz gern mal die Hand.”
So persönlich und intensiv die Arbeit an den Songs, so akribisch auch die
folgende Produktion: “Die Big Band-Arrangements sauber einspielen, fünf Tage
Studio, fertig, aus - das war bislang der übliche Ablauf. Und auch genau der
richtige für den satten Big Band-Sound“, so Roger Cicero. “Aber
diesmal sind wir andere Wege gegangen und haben uns drei Wochen und viel
Feinarbeit gegönnt.“ Die Band ist, mit Ausnahme des musikalischen Leiters und
Arrangeurs Lutz Krajenski, die gleiche geblieben. Doch im Ergebnis klingt fast
nichts mehr nach klassischer Big Band. Stattdessen variieren Besetzung und
Arrangements in einer Spannweite vom intimen, leisen Dunkelheit zu Licht
bis hin zu Erste Liebe, für welches ein opulentes Soundgewand
geschneidert wurde, das ohne Weiteres auch das Finale eines französischen Films
bestreiten könnte. Das größte Augenmerk galt jedoch den zum Teil messerscharfen,
sehr stilsicheren Grooves. Allen voran in Der Typ im Spiegel zu bewundern, einer
Disco-Nummer, geschrieben von Roger Cicero und Roland Spremberg
zusammen mit den Jamiroquai-Musikern und -Produzenten Rob Harris und Matt
Johnson - und unüberhörbar auch von diesen eingespielt.
Auf den Punkt gebracht wird In diesem Moment letztlich vom gleichnamigen
Titelsong, der die Tiefe und Vielseitigkeit des gesamten Albums in sich vereint:
eine Ballade, aber nicht schwermütig; getragen, aber mit Groove; emotional, ohne
in aufgesetztes Pathos abzugleiten. “Es geschieht einfach alles gleichzeitig,
das größte Glück und das größte Unglück, in jeder Sekunde, überall auf der Welt.
Mir war es wichtig, einzelne Momentaufnahmen in diesem Song einfach neutral
nebeneinander zu stellen. Sie nicht zu bewerten, sondern als gegeben anzunehmen
und mich zu fragen: Was macht das mit mir - und was mache ich daraus?“ Die
Antwort darauf gibt nicht nur dieser Song. Die Antwort gibt das gesamte Album.
VÖ Album „In diesem Moment“ 28.10.2011 Warner Music
www.rogercicero.de

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